Im Interview: Mario Heide von pofacs.de

Podcasts geniessen einen immer höheren Stellenwert um Informationen aus erster Hand zu erfahren oder auch um sich unterhalten zu lassen. Einzigartig, im deutschsprachigen Raum, dürfte dabei pofacs.de sein wo auch Themen zu *BSD aufgegriffen werden. Im Vordergrund steht dabei immer das Thema und der Interviewpartner, die eigentlichen Macher des Podcasts verschwinden, als die Stimme der Fragen, im Hintergrund.
Um diesen den geneigten Hörern näher zu bringen, zu erfahren wie diese auf die Idee des Podcasts gekommen sind, welche Verbindungen sie zu den Systemen haben über die sie berichten, hat grUNIX.de Mario Heide von pofacs.de befragt. Das Interview wurde dabei nicht als Podcast aufgenommen, dies überlässt man den Profis von pofacs.de, sondern über Wort und Schrift geführt.

grUNIX.de
Erzähl doch mal was von Dir, wie alt bist Du, was machst Du beruflich,...?

Mario Heide
Mein Name ist Mario Heide. Ich bin 34 Jahre alt und wohne in Schönebeck (bei Magdeburg). Beruflich bin ich in der EDV-Organisation eines Kreditinstitutes tätig. Dort betreue ich datenbankorientierte Anwendungen. Privat interessiere ich mich nach Sohn und Frau auch für all die Sachen, die man auf einem Rechner installieren kann. ;-)


grUNIX.de
Wann war Dein erster Kontakt mit einem Computer, welches Modell war dies?

Mario Heide
Bereits in der Schule durfte ich 1987 das erste Mal auf die Tasten hauen. Allerdings ist das Wort Taste bei dem damaligen KC85 etwas übertrieben, da man noch eine Folientastatur verwendete. Mit der Wende begann dann meine persönliche Computerbiographie. Diese eher klassische Entwicklung führte mich vom C64 II mit einem berüchtigten 1541 Floppy-Laufwerk über den Amiga500, welchen ich wirklich sehr lange einsetzte, zum Windows-3.1-PC. Viel zu schnell kam dann die Ernüchterung, als der Escom-PC mit seinem Monitor, der bis dato am Amiga verwendete Fernseher brachte mir wohl die heutige Brille ein, einfach aus Anwendersicht keinen richtigen Spaß mehr machte. Da ich selbst nie der Spielefreak war und bin, ging ich relativ schnell auf die Suche nach geeigneten Alternativen. Zu diesem Zeitpunkt war Commodore bereits pleite. Einen Rückzug zum geliebten Amiga, auch wenn man zwischenzeitlich mit einem Amiga 1200 oder 4000 noch relativ gut dabei war, fiel wegen fehlender Perspektive dieser Plattform aus. Bei der Wahl meines Desktop-Systems hatte ich vorerst jedoch kein glückliches Händchen. So waren OS/2 und BeOS zwar mehrjährige Begleiter. Allerdings blieb beiden kommerziellen Produkten kein durchschlagende Desktop-Erfolg vergönnt. Während mich OS/2 beruflich bis vor kurzer Zeit noch begleitete, verabschiedete ich mich magels Hardware- und Peripherieunterstützung vor knapp 3 Jahren auch von BeOS. Damit hatte ich mir bereits zu diesem Zeitpunkt
einen alternativen (schlechten ? ;-) Ruf aufgebaut.


grUNIX.de
Welches System setzt Du privat ein und auf welcher Hardware?

Mario Heide
Zwischenzeitlich setze ich Mandriva Linux auf X86 und Mac OS auf PPC zur Erledigung meiner privaten und dienstlichen Aufgaben ein. Neben meiner Sammelleidenschaft, die so ziemlich jedes Gerät mit der Aufschrift Commodore oder Amiga auf meinen ausgebauten Museums-Dachboden wandern ließ, habe ich auch noch einen Oldtimer in Betrieb. Meine Black Beauty, eine NeXTstation TurboColor mit OpenStep im Maximalausbau (Link: http://www.marioheide.de/Bilder/Computer/NeXT/PIC1.html), wird gelegentlich zum Schreiben und Erinnerungsschwelgen auch heute noch genutzt. Neupreis des natürlich gebraucht erstandenen Schmuckstücks betrug lt. Rechnung 21.000 DM! Wenn ich Mac OS X und OpenStep gerade so sehe, fahre ich mit deren Mach-Kernel sogar recht BSD-lastig. ;-)


grUNIX.de
Wann bist Du zu OpenSource und den freien Alternativen gekommen und was war der Grund hierfür?

Mario Heide
Nachdem ich mit OS/2 und BeOS bereits mehrfach auf das "falsche Pferd" gesetzt hatte, gewannen die Begriffe aktive Community und OpenSource für mich an Bedeutung. Obwohl ich auch heute noch stets bereit bin, für gute Software auch Geld zu bezahlen, setze ich heute bei Möglichkeit OpenSource-Projekte ein. Neben der finanziellen Ersparnis, die man auch noch nach Teilnahme an einer Spendenaktionen für das jeweilige Projekt verzeichnen kann, verbinde ich mit OpenSource heute die kontinuierliche Weiterentwicklung und Pflege eines Produktes durch eine Gemeinschaft; also auch eine gewisse Kontinuität in meinem Computerleben. Aktueller Kandidat für eine künftige Nutzung ist das Projekt Ardour, welches eine hochqualitative und mit Pro Tools vergleichbare Audioschnittsoftware inkl. Sequenzer darstellt.


grUNIX.de
Wie bist Du auf die Idee eines Podcasts über alternative Computersysteme gekommen und was verstehst Du unter alternativen Computersystemen?

Mario Heide
Im Frühjahr 2007 konnte ich an einigen Vorträgen von Stefan Schumacher, die von der Magdeburger Linux-Usergroup organisiert wurden, teilnehmen. Nachdem ich mit Stefan in das Gespräch kam, fanden wir im Podcast ein modernes und geeignetes Medium, unsere Interessen und Informationen an die Frau bzw. den Mann zu bringen. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit ging es dann am 2.6.2007 mit Themen rund um Amiga, PostgreSQL und Scribus los. Die anwachsende Podcastdauer von bis zu 90 Minuten haben wir zwischenzeitlich wieder auf hörbare 30 Minuten reduziert.
Unter alternativen Computersystemen verstehen wir Betriebssysteme und Anwendungen, die in der Regel auf keinem vorinstallierten Rechner mitkommen. Viele Anwender wissen bis heute nicht, das es noch ein Leben außerhalb Ihres oft problembehafteten Computeruniversums gibt. Wenn man die ausgelieferten Original-Betriebssysteme und die meistgenutzten Officeanwendungen heute sieht, kann man die von uns vorgestellten Projekte auch als Microsoft-Alternativen zusammenfassen.


grUNIX.de
Zum Verständnis der Hörer, wie zeitintensiv ist so ein Podcast für Dich?

Mario Heide
Nach nun 16 Ausgaben von Pofacs stellt sich eine gewisse Routine ein. Trotzdem nimmt ein Podcast wesentlich mehr als die durchschnittlichen 30 Minuten des fertigen Betrages in Anspruch. Je nach Zuarbeit von Stefan schätze ich den wöchentlichen Zeitaufwand auf 3-5 Stunden. Macht also 6-10 Stunden für eine zweiwöchig erscheinende Ausgabe unseres Podcastes. Nicht vergessen darf man hier die Suche und Kontaktpflege der jeweiligen Gesprächspartner, das Beantworten der Hörerfragen und die technischen Arbeiten rund um den Podcast. Damit meine ich die neben den Vorgesprächen die eigentliche Aufzeichnung des Interviews, das Scheiden des Beitrages, die Anpassung des RSS-Feeds und die Pflege unserer Page. Weiterhin versuche ich, wenn technisch möglich, eine Probeinstallation des jeweiligen Themas durchzuführen, um einen persönlichen Eindruck vom Beitragsthema zu gewinnen. 3-6 Stunden in der Woche sind hier also durchaus nicht zu niedrig angesetzt.


grUNIX.de
Welche Systeme und Hardware nutzt Du für die Interviews?

Mario Heide
Stefan nutzt für seine mobilen Aufzeichnungen derzeit Audacity unter NetBSD. Nachdem auch ich anfangs mit Audacity unter Mandriva Linux aufzeichnete, nutze ich nun zwei Macs mit Mac OS X und Mac OS 9 für die Podcasterstellung. Aktuell gestaltet sich die Audiobearbeitung unter Mac OS einfach als stabiler und unkomplizierter. So gab es bei den ersten Skype-Aufzeichnungen Probleme bei der Aufnahme unter Linux. Eine ältere Pro Tools-Version und das für Podcasts sehr gut geeignete Garageband verrichten derzeit auf Macs gut Ihren Dienst. Weiterhin fanden die vorhandenen Macs, obwohl schon in die Jahre gekommen, wieder einen sinnvollen Einsatz.
Wie bereits erwähnt verfolge ich interessiert die Entwickung des OpenSource-Projektes Ardour. Den aktuellen Entwicklungsstand dieser in der Bedienung an Pro Tools angelehnte Audiosoftware konnte ich auf dem 4. Brandenburger Linux-Infotag im Oktober 2007 bestaunen. Wenn die dort noch festgestellten Probleme beseitigt sind, spricht einiges für den Einsatz der bereits jetzt vielversprechenden Software. Neben der Computertechnik wurde aber auch analoge Aufnahmetechnik wie Mischpult, Mikrofone, Analog-Digital-Wandler und diverses Zubehör für den Podcast angeschafft. Aus diesem Grund haben wir es uns auch erlaubt, auf pofacs.de etwas Google-Werbung zu schalten und einen Paypal-Spendenknopf einzurichten. Herzlich Dank an dieser Stelle an alle, die uns auf diese Weise unterstützen!


grUNIX.de
Über welche Themen würdest Du in der Zukunft gerne einen Podcast?

Mario Heide
Hier sind wir sehr auf Hinweise und Wünsche unserer Hörer angewiesen. In den ersten Beiträgen haben wir natürlich unsere Lieblinge und eigenen Interessen verarbeitet. Künftig werden wir verstärkt auf die Wunschthemen unserer Hörer eingehen. Ich möchte hiermit zum Gebrauch unseres Kontaktformulares auf der Pofacs-Internetseite mit dem Punkt Themenwunsch aufrufen. Bitte sendet Eure Vorschläge, wenn möglich mit Nennung eines Ansprechpartners, an Pofacs! Wenn das vorgeschlagene Thema für viele Hörer interessant ist, berichten wir gern über die entsprechende Alternative.


grUNIX.de
Wen würdest Du in einem Podcast gerne befragen?

Mario Heide
Als Ansprechpartner suchen wir uns in der Regel langjährige Anwender oder ein aktives Mitglied der jeweiligen Community. Da wir einen deutschsprachigen Podcast produzieren, beschränkt sich die Suche auf deutschsprachige Gesprächspartner. Unsere Wunschkandidaten konnten wir bis heute immer von einem Interview überzeugen. Nur das Thema Linux Ubuntu scheint ein hartnäckiger Fall zu werden. So haben wir bis heute auch nach, lass mich schnell nachschauen, genau 12 Interviewanfragen an diverse Ubuntu-Forenbetreiber oder Vereine keine Reaktion erfahren. Vielleicht schreiben wir derzeit auch so viel, dass wir in diversen SPAM-Filtern landen. ;-)
Um die Frage aber direkt zu beantworten: Gern würden wir auch mal zur Abwechslung eine engagierte Frau im IT-Umfeld interviewen!


grUNIX.de
Wieviel Hörer hat ein Podcast im Schnitt?

Mario Heide
Wir wir schnell erfahren haben, sind die Hörerzahlen ein gut gehütetes Geheimnis eines jeden Podcasters, da diese Zahlen über Sponsoring und die Schaltung von Werbung entscheiden. Im Falle unseres nicht kommerziellen Podcastes können wir dies nur bedingt nachvollziehen. So haben wir mit dem Erscheinen unseres 8. Beitrages mit dem Echtzeitbetriebssystem QNX im September 2007 bereits eine vierstellige Anzahl von Hörern für diese Folge verzeichnen dürfen. Natürlich haben uns die anfänglichen Themen rund um den Amiga und ein aus C64-Zeiten bekannten GEOS-Officepaket, welches heute auf einem PC werkelt, und das damit verbundene Interesse an retrolastigen Systemen sehr geholfen.


grUNIX.de
Bist Du Mitglied einer Usergroup, oder wo kann man Dich perönlich treffen (Messen,...)?

Mario Heide
Ich bin Mitglied der Magdeburger Linux-Usergroup (MDLUG) und der German Archimedes Usergroup (GAG). Die Teilnahme an Messen oder Infotagen außerhalb dieser Mitgliedschaften muss ich als aus beruflichen Gründen und als Familienvater meist kurzfristig entscheiden. Stefan ist Mitglied im Chaos Computer Club (CCC), der Deutschsprachigen Anwendervereinigung TeX (Dante e.V.) sowie in der German Unix User Group (GUUG). Er hält regelmässig Fachvorträge zu den Themen NetBSD, Sicherheit, Kryptographie, Hacking und Unix im allgemeinen, z.B. auf den Chemnitzer Linux-Tagen, dem LinuxTag, dem Frühjahrsfachgespräch der GUUG oder dem Chaos Communication Congress und veröffentlicht Artikel in der UpTimes (link: http://net-tex.dnsalias.org/~stefan/nt/ ).

Für die Zukunft planen wir auch die aktive Präsenz von Pofacs auf Veranstaltungen mit der Durchführung von Interviews vor Ort. Obwohl die akustischen Voraussetzungen dort meist nur noch als Herausforderung zu bezeichnen sind, kann man vielleicht auch ein wenig von der guten Atmosphäre dieser Veranstaltungen transportieren.


Trackbacks

  1. Après Ski

    Interview mit Mario Heide von pofacs.de Axel Gruner hat Mario Heide, einen der Macher von pofacs, dem Podcast für alternative Computersysteme, interviewt. Kritische Wissenschaft unerwünscht Ich denke, es käme jetzt darauf an, der Wissen...

  2. Im Interview: Will Backman von BSDTalk

    Will Backman dürfte vielen kein Begriff sein, die Stimme allerdings ist den meisten BSD Nutzern sicherlich bekannt. Will Backman ist der Mann hinter BSDTalk, dem ersten Podcast über die BSD Systeme. Erst kürzlich haben wir Mario Heide, eine der Stimmen

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