FreeBSD: Die Regenzeit ist angebrochen



Für manch einen ist FreeBSD 4.x immer noch das Maß aller Dinge. Hier stimmte für viele das Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und Stabilität und ganz verwegene sahen FreeBSD schon an Linux vorbeiziehen.
Mit FreeBSD 5 konnte diese Erwartungen keinesfalls erfüllt werden, zu gross war der Schnitt den man machte. Dies lässt sich auch daran erkennen das Matt Dillon das Projekt verlies und seine eigenes Projekt, DragonFly BSD, gründete. So begann die Trockenzeit und daran konnte auch FreeBSD 6 nichts ändern. Die Hoffnung vieler, dass FreeBSD wieder mit Linux gleichziehen würde, verpuffte in der Wüste der Trarurigkeit, und der eine oder andere hatte auch auch mit vielen Problemen zu kämpfen die unter FreeBSD 4 nicht auftraten und andere Systeme auf gleicher Hardware nicht hatten.

So wurde an mancher Stelle FreeBSD, mal wieder, für tot erklärt und langjährige FreeBSD User konnten das System für sich, auf deren Hardware, nicht mehr einsetzen und wechselten zu einer Linux Distribution.

Aber, die Wüste lebt! Ein Disney-Film aus meinen Kindertagen in dem aus der trockenen Wüste eine blühende Landschaft wurde. Es war alles schon da, es fehlte nur der Regen die Wüste zum blühen zu bekommen.
Bei FreeBSD ist es auch so, langsam fällt der Regen und die Trockenzeit muss der Regenzeit weichen. Die Tropfen werden dabei von den FreeBSD Entwicklern ausgeschüttet und mit wöchentlichen Meldungen zu neuen Benchmarks wird dies untermauert.

Mit dem neusten Release, FreeBSD 7.0 wird langsam deutlich das die Trockenzeit ein Ende hat und die Früchte sollten sicherlich mit FreeBSD 8.0 reif sein. Man darf gespannt sein welche MFC es von current zu FreeBSD 7 geben mag.

Jeff Roberson, seines Zeichen für den Scheduler ULE verantwortlich, hat FreeBSD wieder Feuer unter dem Arsch gemacht und es kommen immer wieder neue Benchmarks von ihm in welchen FreeBSD Linux hinter sich lässt. Auch der BIND benchmark ist nicht zu verachten.

Woher aber kommt auf einmal die zunehmenden Vergleiche zu Linux? War es in der Vergangenheit nicht immer so, dass man sagte hauptsache das System ist stabil, Geschwindigkeit ist sekundär? So wurde der Boden, den man gegen Linux verlor, sicherlich auch etwas schöngeredet.
Die Zeiten sind aber vorbei, und FreeBSD bläst zum Angriff auf alle anderen Systeme. Es macht sich nach und nach ein neues Selbstbewusstsein unter den FreeBSD Entwicklern und Usern breit, man braucht sich nicht mehr zu verstecken, der klare Schnitt von 4.x auf 5.x hat sich gelohnt.
Sicherlich gibt es immer noch Baustellen, aber diese hat jedes OS vorzuweisen, wenn diese nicht vorhanden wären, hätte man das perfekte OS. Und das wird es wohl nie geben.

FreeBSD hat mit ULE einen neuen schnellen scheduler, Giant locking weg, es gibt unter Current weitere Fortschritte bei ULE, der network stack zieht wieder die Wurst vom Brot, ZFS läuft stabil und FreeBSD ist bei benchmarks im direkten Vergleich mit Linux gleich auf oder schneller. Nicht zu vergessen superpages. Es wurde an so vielen Schrauben gedreht, da wurde die Trockenzeit sicherlich länger als geplant, aber mittlerweile können die FreeBSD Entwickler sich auf die Schulter klopfen, die Arbeit der letzten Jahre macht sich nun bezahlt.

Linux mag Firmen hinter sich haben, support und vieles mehr, all das was FreeBSD nicht hat, und dennoch scheint es zur Zeit den Eindruck zu machen, dass FreeBSD nach langer Durststrecke Linux mal wieder die Forke zeigen kann.

Eigentlich sollte in diesem Eintrag nur auf die neuen Mitteilungen von Jeff Roberson eingegangen werden. Allerdings war es mal wieder an der Zeit Farbe zu bekennen und zu sagen das FreeBSD ein tolles OS ist welches, mittlerweile, wieder da angekommen ist wo es hingehört, an die Spitze. FreeBSD 8 wird dabei sicherlich noch mehr zu bieten haben und die anderen OS müssen sich warm anziehen.

Eigentlich sollte der Eintrag nur auf die neuesten Mitteilungen von Jeff Roberson eingehen, daher sollen diese hier auch nicht vollständig untergehen:

- Pipe benchmarking FreeBSD vs Linux (bei Jeff und der benchmark von Jeff)
Resultat: FreeBSD rennt Linux davon (2x bis 5.5x schneller...)

- Memory allocation mit ebizzy FreeBSD vs Linux von Kris

Und ja, benchmarks sind immer so eine Sache. Allerdings hat man diese in der Vergangheit oftmals "vermisst" und das diese nun vermehrt kommen, lässt den Schluss zu, dass man sich der Sache sicher ist und FreeBSD wieder aufgeschlossen hat.


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Kommentare

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  1. blub schreibt:

    Sie wählen natürlich bewusst nur Benchmarks aus in denen Sie schneller sind. Kann ich Ihnen allerdings auch nicht übel nehmen ;-)

  2. Axel S. Gruner schreibt:

    Kann ich denen auch nicht übel nehmen. Das ist Marketing ;-).

    Welche Benchmark gibt es denn noch?

    Der Pipe Benchmark wurde seitens Linux durchgeführt, mySQL war unter FBSD immer eine Krücke, das wollte man ändern. Mit Erfolg. Und der BIND benchmark, auch hier hat man gezeigt was geht und der Auslöser stammt ja direkt vom ISC.

    Egal, ich sehe blühende Landschaften (in der Hoffnung das diese sich erfüllen und nicht wie einem Herr Dr. Kohl...)

  3. Marc schreibt:

    Friss Staub, Linux! :-)

    Tja, wie kriegen wir die jungen Leute dazu, mehr FreeBSD zu nutzen?

    Vielleicht doch noch ne grosse Desktop Initiative starten?

    Eigentlich wurmt mich momentan nur die fehlende Flash Unterstützung, wo wohl der Linux Emulator seine Schwächen hat (und Flash 9 auch unter Linux nicht so dolle laufen soll).
    Demnächst mal AIR wäre auch gut.

  4. Axel S. Gruner schreibt:

    Eine grosse Desktop Initiative gibt es doch schon, eigentlich 2.
    Zum einen PC-BSD, zum anderen DesktopBSD. Gerade PC-BSD ist auch hinterher was Flash angeht, das wird sicher nicht mehr lange dauern dann ist da das aktuelle Flash drin.

    Es ist ok wenn diese beiden FreeBSD "Ableger" den Desktop für die Massen öffnen, alle anderen können weiterhin FreeBSD native nutzen (und sicherlich auch von den Errungenschaften der beiden Desktopvarianten profitieren).

  5. /agni schreibt:

    Was allerdings noch fehlt, sind Treiber für zur Zeit gängige Desktop-Mainboards. Falls jemand, wie ich, Intel-Chipsatz-Boards mit Onboard-Grafik nutzen will, ist er gekniffen.
    Die Netzwerkschnittstellen mit Marvel-Chips funktionieren nicht korrekt (leider haben auch die GB-Lankarten von 3COM diesen Chip auf der Karte, schade auch).
    Der bei neueren G31-Boards eingesetzte RTL8111 C wird noch nicht unterstützt, der Intel-G31 sowieso nicht. Der i965G wird bei 7.0 endlich erkannt. Na ja, der ist auch nicht mehr aktuell.

    Das RTL8111C Problem hoffe ich über Ostern beheben zu können (weiss jemand wo das Programmierhandbuch für diesen Chip erhältlich ist oder muß ich mir tatsächlich alle Informationen aus den Realtek- und/oder Linux-Treibern saugen?). An den Intel-G31 traue ich mich allerdings noch nicht ran.

    Und wenn jetzt irgendjemand sagt -Hättest Du dich halt vorher schlau gemacht!- dann hat derjenige nicht verstanden, das es bei Desktopsystemen genau darum geht. Ich will nicht vorher in tausend dubiosen Foren nachlesen müssen ob ich mit 6 Monate alter Hardware arbeiten kann. Die soll laufen.


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