PC-BSD sorgte erst kürzlich für Schlagzeilen, als es von
iXSystems übernommen wurde. Aber ist es wirklich das was es verspricht? Eine, auf
FreeBSD basierende, Distribution die es jedem ermöglicht FreeBSD als Desktopsystem zu installieren und zu nutzen? Hier sehen viele noch starken Nachholungsbedarf wenn man die *BSDs mit diversen Linux Distributionen vergleicht. Und das sicherlich zu recht. PC-BSD schickt sich nun aber an, den Vorsprung der Linux Distributionen wett zu machen und ein BSD für jedermann zu werden.
Zur Zeit ist noch die
Version 1.2 aktuell, diese wurde laut Aussagen von PC-BSD bisher über
100.000 mal heruntergeladen, und liegt als
VMware Image als auch als
ISO vor. Das ISO unterteilt sich dabei in zwei CDs. Auf
CD1 liegt PC-BSD um dieses auf dem Rechner zu installieren,
CD2 enthält einige
PBIs und Sprachpakete. Diese CD sollte, gerade wegen der Sprachpakete, auch heruntergeladen werden. Das installierte
KDE wäre ohne dieser Sprachpakete nur auf Englisch zu nutzen.
BSD Nutzer kennen
Ports und packages, welche sich schnell und einfach installieren lassen und das auch mit diveresen grafischen Werkzeugen. Bei PC-BSD wollte man dies noch weiter vereinfachen und hat daher
PBI (PC-BSD Installer) entworfen. Hiermit ist die Installation von Software so einfach wie unter Windows. Man lädt sich das gewünschte PBI auf den Rechner und startet die Installation einfach mit einem Doppelklick. Fertig. Im K-Menu und auf dem Desktop werden, so man dies will, die entsprechende Einträge automatisch vorgenommen. Eine feine und einfach Sache die jeder bedienen kann. Eine steigene Anzahl von PBIs gibt es bei
pbidir.
Die Installation von PC-BSD erfolgt rein grafisch. Das gewohnte Bootmenu von FreeBSD ist noch zu sehen, danach wird der Rest hinter einem
Splash Screen versteckt und der grafische Installer startet automatisch. Als Basis dient hier der WM
fluxbox und kann leider für etwas Verwirrung sorgen. Da es vier virtuelle Desktops gibt, kann der User zwischen diesen umschalten. Wer das nicht weiss, und zufälligerweise die richtigen Tasten erwischt, wird dann einen leeren Bildschirm zu sehen bekommen und sich fragen wo die Installation geblieben ist. Das soll aber auch das einzige Manko bleiben, die Installation selbst kann auf Deutsch durchgeführt werden und das entsprechende Tastaturlayout wird aktiviert. Mit wenigen Klicks ist die Installation gestartet und der Benutzer kann sich erst einmal zurücklehnen. Eine Neuerung, die in der nächsten Version von PC-BSD einfliessen wird, wird sein, dass bei der Installation ein RAID1 mittels
gmirror aufgesetzt werden kann. Etwas was man bei der Installation von FreeBSD noch vermisst.
Ist die Installation beendet kann über die zweite CD die entsprechende Sprachdatei installiert werden und einige mitgelieferte PBIs lassen sich ebenfalls installieren. Dabei liegt es nicht am User hier einzugreifen, das System fragt nach ob die Sprachdateien installiert werden sollen. Der Benutzer selbst muss nur die CD parat haben.
Es lässt sich sagen, die Installation von PC-BSD macht Spass. Es geht schnell, sie ist durch die grafische Installationsroutine ansprechend und die anvisierte Benutzergruppe sollte damit ohne Probleme klar kommen. Neben PBIs besteht natürlich auch die Möglichkeit die Ports wie gewohnt zu nutzen.
Was bleibt, ist der fade Beigeschmack, warum eine grafische Installationsroutine noch nicht offiziell unter FreeBSD verfügbar ist. sysinstall macht sicher das was es machen soll, das System installieren, aber man könnte doch beides anbieten, je nachdem was der Benutzer möchte. Man darf gespannt sein wann dies auch bei FreeBSD Einzug erhält, oder ob der
bsdinstaller sysinstall ablösen wird.
PC-BSD selbst ist unter
BSD-Lizenz erschienen.
Nachtrag 1:
Die Frage die dabei aber im Raum stehen bleibt, braucht man eine FreeBSD "Distribution" wie PC-BSD und einen neuen "Paketmanager" wie PBI? Schaut man sich
DesktopBSD an, so geht dies auch anders, offener und
transparenter, PC-BSD wirkt hingegen etwas verschlossen und man darf gespannt sein wohin der Weg, insbesondere nach dem Aufkauf durch iXSystems, führen wird. Nimmt man die Benutzergruppe die es nutzen soll, also Leute die sich nicht mit der Interna des Systems beschäftigen wollen, so ist PC-BSD sicher eine gute Wahl, auch wenn einige *BSD Benutzer davon nichts halten werden, es kann der Einstieg sein die BSDs weiter zu verbreiten und bekannter zu machen.
Nachtrag 2:
Was man allerdings nicht verstehen muss, ist dass Verhalten des PC-BSD System tools. Gut, man kann hierüber einen anderen Kernel wählen (SMP) die sourcen fetchen und den Portstree updaten, aber eben auch Services aktivieren und deaktivieren. Deaktiviert man beispielsweise SSH, so wird ein entsprechender Eintrag in der /etc/rc.conf vorgenommen. So weit so schlecht, denn, der SSHD läuft erst einmal weiter, und das System teilt einem mit, das dass System neu gestartet werden muss um die neuen Einstellungen zu übernehmen. Bitte? Der Freund eines jeden reboot Junkies war doch mal Windows, auch da ist man mittlerweile weiter, warum also muss das System bei PC-BSD für so eine trivial Sache neu gestartet werden? Ein grafisches tool in Ehren, aber so etwas sollte nicht passieren und sollte daher schnell behoben werden. Restart zum starten/stoppen eines Dienstes, unfassbar.